Viele Ekzemer bekommen in der Mückensaison Knoblauch ins Futter. Das klingt harmlos, schließlich steht er bei uns in der Küche. Für Pferde ist Knoblauch aber kein neutrales Würzmittel. Seine Inhaltsstoffe können die roten Blutkörperchen angreifen, und die Dosis liegt näher an der Praxis, als viele vermuten.
Für einen Isländer mit 400 kg (okay vielleicht etwas schwer :)) liegt die Menge, ab der in einer Studie Zeichen einer Anämie auftraten, bei rund 80 g getrocknetem Knoblauch am Tag. Das ist viel. Spannender ist die Frage, was unterhalb dieser Grenze passiert und wie du Hinweise im Blutbild richtig einordnest.
Warum Knoblauch im Futter landet
Die Idee dahinter: Schwefelverbindungen aus dem Knoblauch sollen über Haut und Schweiß abgegeben werden und das Pferd für Insekten weniger attraktiv machen. Viele Besitzer berichten von guten Erfahrungen. Belastbar belegt ist die Wirkung beim Pferd bisher nicht. Hersteller verweisen zwar auf Untersuchungen mit knoblauchölhaltiger Leckmasse, in denen weniger Insekten auf den Pferden landeten. Unabhängige, in Fachzeitschriften veröffentlichte Nachweise für getrockneten Knoblauch fehlen jedoch.
Beim Ekzemer kommt ein zweiter Punkt hinzu. Sommerekzem ist eine allergische Reaktion, vor allem auf Speichelbestandteile von Gnitzen. Weniger Insekten auf dem Pferd wären also noch keine Garantie für weniger Reaktion, denn auch einzelne Stiche können bei einem sensibilisierten Pferd reichen.
Was im Blut passiert
Rote Blutkörperchen transportieren mit ihrem Hämoglobin den Sauerstoff. Knoblauch enthält Stoffe wie N-Propyldisulfid, die oxidativen Stress auslösen und die Schutzsysteme dieser Zellen stören können. Dann verklumpt beschädigtes Hämoglobin zu kleinen Einschlüssen, den sogenannten Heinz-Körpern.
Der Körper erkennt so veränderte Zellen als defekt und baut sie vermehrt ab. Gehen mehr rote Blutkörperchen verloren, als nachgebildet werden, entsteht eine Heinz-Körper-Anämie, also eine Blutarmut durch oxidative Schäden.
Was die Studien gezeigt haben
|
Studie |
Pferde |
Knoblauch pro kg Körpergewicht |
Ergebnis |
|---|---|---|---|
|
Pearson et al., 2005 |
2 mit Knoblauch, 2 Kontrolle |
schrittweise bis 0,25 g zweimal täglich, insgesamt 71 Tage |
Über 0,2 g pro Tag: Zeichen einer Heinz-Körper-Anämie |
|
Saastamoinen et al., 2019 |
12 Stuten, davon die Hälfte mit Knoblauch |
0,032 g pro Tag, 83 Tage |
Hämoglobin, Hämatokrit und rote Blutkörperchen sanken leicht |
|
Willis, 2021 (Masterarbeit) |
12, verteilt auf 4 Gruppen |
0,0625 bis 0,1875 g, 74 Tage |
Rote Blutkörperchen und Blutplättchen verändert, Hämoglobin und Heinz-Körper nicht signifikant |
Die Studien sind klein und liefern kein einheitliches Bild. Eine sicher belegte Dauerdosis gibt es bisher nicht. Das finnische Autorenteam ordnet die Spanne, in der das Risiko deutlich ansteigt, zwischen 0,015 und 0,2 g getrocknetem Knoblauch pro kg Körpergewicht ein, vermutlich abhängig von Gesundheit und oxidativem Status des einzelnen Pferdes.
Eine leichte Veränderung im Blut bedeutet nicht automatisch, dass ein Pferd krank ist. In der kanadischen Studie erholten sich die Werte nach dem Absetzen innerhalb von fünf Wochen weitgehend. Heinz-Körper-Wert und Zellgröße waren da allerdings noch erhöht.
Was das für einen 400 kg Isländer bedeutet
|
Dosis pro kg und Tag |
Pro Tag bei 400 kg |
Bezug |
|---|---|---|
|
0,015 g |
rund 6 g |
untere Grenze der genannten Risikospanne |
|
0,032 g |
rund 13 g |
finnische Studie: leichte Veränderungen der Blutwerte |
|
0,0625 g |
25 g |
niedrigste Gruppe der Masterarbeit |
|
0,2 g |
80 g |
Schwelle aus der kanadischen Studie |
Die Mengen beziehen sich auf getrockneten Knoblauch. Auf dem Etikett zählt deshalb der Knoblauchanteil, nicht das Gewicht des Produkts. Ein Beispiel: 40 g eines Ergänzers mit 60 % Knoblauch enthalten rund 24 g Knoblauch. Bei 400 kg sind das 0,06 g pro kg Körpergewicht, also fast das Doppelte der Dosis aus der finnischen Studie.
Gerade Saisonfütterung über viele Wochen sollte man deshalb bewusst entscheiden. In der finnischen Studie reichten 83 Tage für messbare Veränderungen, und eine Mückensaison dauert meist deutlich länger.
Warum das Blutbild täuschen kann
Ein Wert verdient einen zweiten Blick: das MCHC. Er beschreibt, wie viel Hämoglobin im Durchschnitt in den roten Blutkörperchen steckt, und wird aus Hämoglobin und Hämatokrit berechnet.
Heinz-Körper können die Messung stören. Sind viele vorhanden, kann das Gerät mehr Hämoglobin messen, als tatsächlich vorhanden ist. Dann fällt das MCHC falsch hoch aus. Ein echtes Zuviel an Hämoglobin in den Zellen gibt es dabei nicht. Beschrieben ist dieser Messfehler vor allem bei Katzen, meist bei einem hohen Anteil betroffener Zellen und je nach Analysegerät.
Beim Pferd ist er nicht gleich gut untersucht. In der kanadischen Pferdestudie sank das MCHC sogar. Ein unauffälliges MCHC schließt das Thema also nicht aus, und ein hohes beweist es nicht. Bleibt ein Verdacht, kann die Tierarztpraxis einen Blutausstrich mit einer Spezialfärbung beurteilen lassen. Darin lassen sich auch kleine Heinz-Körper erkennen.
Wann du genauer hinschauen solltest
Eine beginnende Anämie zeigt sich oft unspezifisch. Hinweise können sein:
- nachlassende Leistung oder schnelle Ermüdung
- Mattigkeit
- blasse Schleimhäute
- ein Blutbild mit niedrigen roten Werten
Bekommt dein Pferd Knoblauch und zeigt so etwas, lass es tierärztlich abklären und nenne dabei Produkt, Menge und Dauer. Das Gleiche gilt, wenn Hämoglobin, Hämatokrit oder Erythrozyten auffallen. Hat ein Pferd bereits eine Anämie, sollte Knoblauch nur nach tierärztlicher Rücksprache gefüttert werden.
Ist das Blutbild unauffällig, bleibt Knoblauch im Gesamtbild meist ein Nebengedanke. Trotzdem lohnt sich die Frage, denn sie ist mit einem Blick auf das Etikett und einer kurzen Rechnung schnell geklärt.
Quellen
-
Pearson W. et al. (2005): Association of maximum voluntary dietary intake of freeze-dried garlic with Heinz body anemia in horses. Am J Vet Res 66(3), 457 bis 465.
-
Saastamoinen M. et al. (2019): Garlic (Allium sativum) Supplementation Improves Respiratory Health but Has Increased Risk of Lower Hematologic Values in Horses. Animals 9(1), 13.
-
Willis V. (2021): Effect of Supplemental Garlic on the Incidence of Anemia in Horses. Masterarbeit, Western Kentucky University.
-
Dondi F. et al. (2019): Heinz body related interference with leukocyte and erythrocyte variables obtained by an automated hematology analyzer in cats. J Vet Diagn Invest 31(5), 704 bis 713.
-
eClinPath, Cornell University: MCHC und Hemoglobin.