Mauke oder Herbstgrasmilben? Oft ist die ehrliche Antwort: beides gleichzeitig. Das klingt komisch, ist aber leicht zu verstehen.

Mauke oder Herbstgrasmilben? Oft ist die ehrliche Antwort: beides gleichzeitig. Das klingt komisch, ist aber leicht zu verstehen.

Mauke ist der Tatort, nicht der Täter

Stell dir die Fesselbeuge deines Pferdes wie einen Tatort in einem Krimi vor. Die Fesselbeuge ist die kleine Kuhle hinten am Bein, direkt über dem Huf. Wenn die Haut dort rot ist, juckt, Krusten hat oder nässt, sagen wir dazu „Mauke“. Mauke beschreibt also nur, WO etwas kaputt ist. Sie sagt nicht, WER es war.

Tierfachleute nennen Mauke deshalb einen Sammelbegriff. Das bedeutet: Viele verschiedene Auslöser können am Ende genau gleich aussehen. Herbstgrasmilben sind einer davon. Sie sind ein echter Täter, ein winziges Tier mit Namen.

Als Tierheilpraktiker sehe ich das jeden Herbst im Stall. Wer nur „Mauke“ sagt, hat den Tatort gefunden. Den Täter sucht er noch. Und genau das machen wir jetzt zusammen: Detektivarbeit.

Die drei Verdächtigen

Verdächtiger 1: die Herbstgrasmilbe

Die Herbstgrasmilbe ist ein winziges Tier. Gefährlich für dein Pferd ist nur ihr Baby, die Larve. Die erwachsenen Milben leben im Boden und lassen Pferde in Ruhe.

Die Larve ist so klein wie ein Sandkörnchen, ungefähr 0,2 bis 0,3 Millimeter. Aber sie ist leuchtend orange bis ziegelrot. Darum kannst du sie oft schon mit bloßem Auge als orange Pünktchen sehen, mit einer Lupe noch besser. Sie hat sechs Beine.

Wichtig: Die Larve beißt nicht und trinkt kein Blut. Sie ritzt die Haut ganz fein an und spuckt etwas Speichel hinein. Der Speichel macht die Haut darunter weich und flüssig. Aus dem Speichel baut sie sich einen winzigen Strohhalm und schlürft damit. Genau dieser Speichel ist es, der so stark juckt.

Nach etwa einer Woche ist die Larve satt und fällt ab. Das Jucken kann aber noch länger bleiben. Wenn du also keine orangen Punkte mehr findest, heißt das nicht, dass es keine Herbstgrasmilben waren.

Die Larven warten von etwa Mitte Juli bis Oktober im Gras, am meisten Anfang bis Mitte September. Sie sitzen nicht überall, sondern in kleinen Inseln, oft nur so groß wie ein Badehandtuch. Deshalb trifft es oft nur ein Pferd oder nur eine bestimmte Koppel, und das jedes Jahr wieder an derselben Stelle.

Das Pferd sammelt sie beim Grasen ein. Darum sitzen sie an den Beinen, aber auch am Maul, an den Nüstern, an den Ohren, am Hals und am Bauch. Ein Pferd steckt das andere nicht an. Alle holen sie sich direkt von der Wiese.

Verdächtiger 2: die Fußräude-Milbe

Es gibt noch eine zweite Milbe, die gerne an der Fessel wohnt. Sie heißt Chorioptes und macht die sogenannte Fußräude. Diese Milbe ist fast das Gegenteil der Herbstgrasmilbe.

Sie ist mit bloßem Auge kaum zu sehen und hat acht Beine. Sie bleibt auf dem Pferd wohnen und frisst Hautschüppchen. Am liebsten mag sie den Winter und die Stallzeit. Sie sitzt vor allem an den Hinterbeinen, besonders bei Pferden mit viel Behang.

Und sie ist ansteckend. Sie wandert von Pferd zu Pferd, über Einstreu, Putzzeug und Decken. Außerhalb vom Pferd kann sie mehrere Wochen überleben. Deshalb juckt es oft bei mehreren Pferden im selben Stall.

Verdächtiger 3: die geschädigte Hautbarriere

Der dritte Verdächtige ist kein Tier. Die Haut ist wie eine Schutzmauer. Auf ihr leben viele winzige Bakterien, die zusammen das Hautmikrobiom bilden. Solange die Mauer heil ist und viele verschiedene Bakterien da sind, ist alles im Gleichgewicht.

Wird die Haut aber immer wieder nass, aufgeweicht oder aufgekratzt, bekommt die Mauer Löcher. Forschende haben an kranken Fesseln gesehen: Dort leben weniger verschiedene Bakterien, und einzelne Sorten wie Staphylokokken übernehmen das Kommando. Dann entzündet sich die Haut.

Warum es oft alle zusammen sind

Jetzt kommt der Trick. Die Milbe juckt. Das Pferd kratzt und knabbert. Die Hautmauer bekommt Löcher. Die Bakterien kommen aus dem Gleichgewicht. Und schon sieht der Tatort aus wie eine klassische Mauke. Im Spätsommer und Herbst kommen alle drei Verdächtigen zur selben Zeit vorbei: Herbstgrasmilben haben Saison, die ersten nassen Wochen beginnen und die Fußräude-Milbe macht sich für den Winter bereit.

Dein Detektiv-Koffer: So suchst du den Täter

Du brauchst nur ein paar Sachen: eine Lupe, eine Taschenlampe, durchsichtigen Klebestreifen, ein Stück dunkle Pappe, Einmalhandschuhe und dein Handy für Fotos. Das ersetzt keine Untersuchung. Aber du sammelst Spuren, mit denen dein Tierarzt oder Tierheilpraktiker viel schneller ans Ziel kommt.

  1. Erst gucken, dann waschen. Wasser spült die Larven weg, und Salben verwischen jede Spur. Untersuche dein Pferd also, bevor du irgendetwas machst.
  2. Alle vier Beine ansehen. Scheitle den Behang mit den Fingern und leuchte mit der Lampe hinein. Schau von vorne, hinten, innen und außen.
  3. Mit der Lupe nach orangen Pünktchen suchen. Sie sitzen oft in der Mitte von kleinen Knötchen oder Quaddeln, gerne in Grüppchen.
  4. Den Kopf nicht vergessen. Schau an Maul, Lippen, Nüstern, Ohren, Hals und Bauch. Findest du dort auch Knötchen, ist das ein starker Hinweis auf Herbstgrasmilben. Echte Mauke bleibt an der Fessel.
  5. Den Klebestreifen-Test machen. Drück ein Stück Klebestreifen mehrmals fest auf eine verdächtige Stelle. Kleb es glatt auf die dunkle Pappe und schreib Bein und Datum dazu. Unter dem Mikroskop sieht man dann, ob das Tier sechs Beine hat (Herbstgrasmilbe) oder acht (zum Beispiel die Fußräude-Milbe).
  6. Krusten in Ruhe lassen. Reiß nichts ab. Jede neue Wunde ist eine neue Tür für Keime.
  7. Vorsichtig fühlen. Zieht dein Pferd das Bein weg, wenn du die Fesselbeuge leicht berührst? Dann tut es weh, und die Haut ist wahrscheinlich schon richtig entzündet.
  8. Weiße und dunkle Beine vergleichen. Ist nur die weiße Haut betroffen, steckt vielleicht etwas ganz anderes dahinter. Das gehört unbedingt abgeklärt.
  9. Filmen und fotografieren. Ein kurzes Video vom Stampfen oder Knabbern und Fotos aller Beine bei Tageslicht sind für die Profis Gold wert. Mach die Fotos alle paar Tage wieder aus demselben Winkel.

Die Spurentafel

Spur zeigt eher auf
Orange Pünktchen, Knötchen auch an Maul, Nüstern oder Bauch Herbstgrasmilbe
Kopfschütteln, Niesen, Nase reiben im Spätsommer oder Herbst Herbstgrasmilbe
Stampfen und Beine aneinander reiben, vor allem hinten, im Winter im Stall Fußräude-Milbe
Mehrere Pferde im selben Stall jucken Fußräude-Milbe
Nässende Krusten, Risse, das Pferd will nicht angefasst werden entzündete Haut mit Bakterien

Der Winter-Test

Das ist eine meiner liebsten Detektivfragen: Was passiert, wenn die Pferde im Winter im Stall stehen? Herbstgrasmilben gibt es dann nicht mehr, denn die gehören zur Weide. Juckt es trotzdem weiter oder sogar schlimmer, ist die Herbstgrasmilbe als alleiniger Täter raus. Dann rückt die Fußräude-Milbe nach vorne.

Der Fliesen-Test auf der Weide

Du willst wissen, ob deine Koppel ein Milben-Nest hat? Leg an einem warmen Tag ein paar weiße Fliesen ins Gras, etwa einen großen Schritt auseinander. Nach 10 bis 15 Minuten schaust du mit der Lupe nach. Krabbeln orange Pünktchen darauf, hast du eine Milben-Insel gefunden.

Was du tun kannst und was in Profihände gehört

Das darfst du selbst machen

  • Sanft und trocken. Haut, die ständig nass ist, wird weich wie ein Finger nach dem Baden. Dann bekommt die Schutzmauer Löcher. Darum gilt: lieber selten und sanft reinigen als jeden Tag schrubben. Danach immer gut trocknen.
  • Nach dem Weidegang abbrausen. Larven, die noch nicht festsitzen, kannst du einfach abwaschen. Bei Pferden, die Herbstgrasmilben kennen, lohnt es sich, Beine und Maul nach der Weide kurz abzusprühen. Danach gut trockenreiben, sonst hilfst du der Mauke.
  • Milben-Inseln meiden. Kennst du die befallenen Ecken, etwa Weideränder, Hecken oder hohes Gras, steck sie in der Saison einfach ab.
  • Jedem Pferd sein eigenes Putzzeug. Die Fußräude-Milbe reist gerne mit Bürsten und Decken. Neue Pferde mit viel Behang schaust du dir vor dem Einzug genau an den Beinen an.
  • Keine dicken Schichten unter den Behang. Dichte, fettige Salben können Nässe und Schmutz einsperren. Und Teebaumöl gehört nicht auf entzündete Pferdehaut.

Das gehört in Profihände

Jetzt kommt etwas, das viele überrascht: Für Pferde gibt es kein Mittel, das speziell gegen diese Milben zugelassen ist. Was wirkt, stammt meistens aus der Hunde-, Katzen- oder Rindermedizin. So etwas darf nur der Tierarzt einsetzen, und nur er trägt dafür die Verantwortung.

Dabei spielt auch der Equidenpass deines Pferdes eine Rolle. Steht dort, dass dein Pferd ein Schlachttier ist, sind manche Wirkstoffe komplett verboten. Leg den Pass also bereit, wenn der Tierarzt kommt.

Das heißt für dich: Sprüh kein Floh-Mittel vom Hund auf die Pferdebeine, schmier keine Wurmkur äußerlich drauf und bestell nichts Unbekanntes im Internet. Auch Kortison gehört in Tierarzthände. Es kann den Juckreiz verstecken, Pilze und Bakterien stärker machen und spätere Allergietests verfälschen.

Wo Hestakofi ins Spiel kommt

Ich arbeite an der Fessel mit der Haut, nicht gegen sie. Das heißt: mild statt scharf, mit dem Hautmikrobiom statt dagegen.

Hestakofi Antimauke ist ein Pflegespray für die Fesselbeuge. Es unterstützt die Hautbarriere und das Gleichgewicht auf der Haut, also genau die Schutzmauer aus Verdächtigem 3. Den Täter ersetzt es nicht: Steckt eine Milbe dahinter, muss die zuerst gefunden werden.

Hestakofi Milbenruhe ist unser Repellent für die Herbstgrasmilben-Saison. Du sprühst es vor dem Weidegang auf Beine und Fesselbeugen. Merk es dir für den nächsten Sommer vor, denn ab Mitte Juli geht es wieder los.

Jede Charge rühre ich selbst an und fülle sie von Hand ab, in unserer Manufaktur bei Hamburg.

Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.

Wann du nicht mehr abwartest

Hol dir Hilfe von deinem Tierarzt oder Tierheilpraktiker, wenn eins davon passt:

  • Dein Pferd lahmt oder stellt ein Bein nicht mehr richtig auf.
  • Das Bein wird dick und warm, und die Schwellung steigt nach oben.
  • Dein Pferd hat Fieber, ist schlapp oder frisst schlecht.
  • Du siehst tiefe Risse, Blut, Eiter oder es riecht sehr schlecht.
  • Nur die weißen Beine oder nur die weiße Haut sind betroffen.
  • Es wird trotz guter Pflege nicht besser oder breitet sich aus.
  • Mehrere Pferde im Stall haben juckende oder verkrustete Beine.
  • Es juckt im Winter im Stall weiter oder kommt jedes Jahr wieder.
  • Dein Pferd fängt plötzlich an, mit dem Kopf zu schlagen.
  • Du fühlst Knoten oder Falten unter dem Behang.
  • Du überlegst, ein Milbenmittel, Kortison oder Antibiotikum zu benutzen.

Warum ich das so deutlich sage: In einer Schweizer Umfrage wurde bei fast einem Drittel der Pferde erst dann Hilfe geholt, als sie schon Schmerzen hatten oder lahmten. Je später man nachschaut, desto schwerer findet man den Täter und desto länger dauert alles.

Merk dir drei Fragen

  1. Wo ist es? Nur an der Fessel oder auch am Kopf?
  2. Was ist es? Vor allem Jucken oder vor allem Schmerz und Nässe?
  3. Wann ist es? Wird es im Stall besser oder schlimmer?

Mit diesen drei Fragen bist du schon ein richtig guter Fessel-Detektiv. Und jetzt bin ich neugierig: Hast du bei deinem Pferd schon mal orange Pünktchen mit der Lupe gefunden?

Dieser Artikel ersetzt keine Untersuchung durch Tierarzt oder Tierheilpraktiker.

Quellen

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